Rhein-Main-Bündnis

gegen Sozialabbau und Billiglöhne

Rentendesaster 730 Euro

02/10/2016 (Rente)

Durschnittseinkommen erhält, betrug ab 01.07. 2015 1.314,45 Euro brutto. Nach Abzug von Kranken-und Pflegeversicherungsbeiträgen und einer Besteuerung von 9.33 Euro monatlich verfügte der Standardrentener monatlich über 1167,13 Euro. Wahrlich ein sehr bescheidener Betrag, mit dem ein sorgenfreies Leben im Alter wirklich schlecht möglich ist!

Ziel der 1959 gründlich refomierten Rentenpolitik in Deutschland war es, eine Rente zu schaffen, die den Lebenstandard  alter Menschen sichern sollte. Da deren Bedarf nicht mehr die gleiche Höhe hat wie der der Erwerbspersonen, hielt man 70 Prozent der letztjährigen Nettolöhne für eine hinreichende Orientierungsgröße. Im Jahr 2015 ergäben 70 Prozent vom durchschnittlichen Nettolohn ca.1.310 Euro. Die Standardrente 2015 lag also 143 Euro unter diesem Wert

Der Sozialverband Deutschland (SovD)  und  die Linkspartei wollen eine Rückehr zur Orientierungsgröße 70 Prozent des Nettolohns. Sie fordern deshalb das Rentenniveau von 48,1%  (2014) auf 53% des bereinigten Nettolohns anzuheben. Das ergäbe 2014/15 eine Nettorente von 1.260 € im Monat. Dieser Wert nähert sich tatsächlich  den 70 Prozent des Nettolohns an. 70 % des Nettolohns ergaben 2015 1.310 Euro. 1.260 Euro sind  nur 50 Euro weniger und immerhin 67,5 % des Nettolohns.

Aber diese Forderung kann des Rentenelend nicht beseitigen, liegt ihr doch ein zentraler Fehler zu Grunde. Die Forderung orientiert sich allein an der Standardrente, die eine statistische Größe ist und die Reallität der abhängig Beschäftigten nicht erfasst. Nur ein geringer Teil dieser Erwerbstätigen erreicht noch eine Lebensarbeitszeit von 45 Jahren(Anm.2). Und auch der durchschnittliche Arbeitslohn wird von 60  Prozent der Erwerbspersonen nicht erreicht. Die wirkliche Rentenhöhe  läßt sich nur  aus den wirklichen Durchschnittzahlen ermitteln: Die Rentenversicherten erreichen 2014 im Durchschnitt 35,7 Lebensarbeitsjahre; sie erzielten nur durchschnittlich 0,847 Entgeltpunkte; dazu mussten Rentenabschläge in Kauf genommen werden, weil der  Rentenbeginn um durchschnittlich 23,47 Monate vorgezogen wurde. Diese Werte bilden die notwendige Vorausetzung für die Berechnung einer wirklichen Durchschnittsrente.

Aus ihnen erechnet sich beim Rentenwert von 28,61 Euro für Juli 2014 eine Durchschnittsrente von 815 Euro brutto bzw. nach Abzug der Beiträge für Kranken-und Pflegeversicherung 730 Euro netto.

Was würde es nun bringen, wenn man  diese Rente, die  auch 48,1% zum bereinigten Netto entspricht auf 53%  anheben würde? Genau 898 Euro brutto. Davon gingen dann wieder Kranken-und Pflegeverischerungsbeiträge ab. Es bliebe eine Nettorente von 804 Euro.

Die Linkspartei fordert zurecht die Einführung einer Mindestrente von 1050 Euro (unklar ist dabei, ob es sich um einen Bruttowert oder Nettowert handelt). Nun ergibt sich aber der kuriose Umstand, dass die Durchschnittsrente, die die Linkspartei fordert, deutlich unter der von ihr geforderten Mindestrente liegt. Das ist natürlich unsinnig, folgt aber daraus, dass man von einer fiktiven Standardrente ausgeht.

Weiter fordert die Linkspartei zurecht die Möglichkeit mit 60 Jahren in Rente gehen zu können. Dann ist es allerdings wiederum unsinnig an einer Standardrente festzuhalten, der 45 Lebenarbeitsjahre zu Grunde liegen.

 

Anm.2) Unter der Rubrik „Besonders langjährig Versicherte“ erfasst die Rentenversicherung die Rentner, die 45 und mehr Versicherungsjahre aufweisen. Ihr prozentualer Anteil an allen Rentenzugängen wegen Alters betrug  11,34 % im Jahr 2014 (Rentenversicherung in Zeitreihen, 2015,S. 62).

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